19
Feb
2008

Uwe Timm - Die Entdeckung der Currywurst

Hinter dem recht banalen Titel Die Entdeckung der Currywurst von Uwe Timm verbirgt sich eine raffiniert erzählte Novelle über die letzten Kriegswochen des zweiten Weltkrieges und die darauf folgenden Jahre.

Der Erzähler macht die ehemalige Besitzerin einer Imbißbude am Hamburger Großneumarkt in einem Altenheim ausfindig. Die inzwischen hochbetagte Lena Brücker kennt er aus seiner Kindheit und er erinnert sich daran, das sie für ihn immer als Erfinderin der Currywurst galt.
Um der Entdeckung der Currywurst auf den Grund zu gehen, besucht er die alte Frau regelmässig und hört sich ihre Geschichte von ihren schönsten Jahren an.
Damals kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges flüchtet sie sich zusammen mit einem fremden Soldaten bei einem Luftschutzalarm in einen Bunker. Anschließend nimmt sie ihn mit nach Hause und er, der sich eigentlich am nächsten Tag einer Panzerjagd-Einheit anschliessen sollte, entschließt sich zu dessertieren und bleibt bei Lena Brücker.
Wie sie und der Soldat das Kriegsende erleben, wie ihr Leben danach weiterging und zu guter Letzt, wie es dazu kam, dass sie das erste Mal eine Currywurst zubereitete, erzählt Lena Brücker Ihrem Besucher geduldig und ausschweifend.

Nachdem ich schon einige seiner Bücher gelesen habe, nahm ich mir nun diese 187 Seiten starke Novelle von Uwe Timm zur Lektüre. Und wie schon bei den Büchern zuvor, wurde ich auch dieses Mal nicht enttäuscht. Der Autor schafft es, die Liebes- und Lebensgeschichte einer Frau in einer fesselnden und lebhaften Sprache zu erzählen. Die Charaktere der Lena Brücker und der anderen Hauptpersonen werden dem Leser nach und nach vermittelt und das Gelesene (so ging es mir zumindest) lässt deutliche Bilder im Kopf entstehen.

Ich halte das Buch für ein nachhaltiges, empfehlenswertes Leseerlebnis.
****

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Februar 08

Gekauft

Der Liebeswunsch
Dieter Wellershoff
btb
(18.02.08 / Thalia online)

Geliehen

Rausch
John Griesemer
Marebuchverlag

(15.02.08 / Bücherei)

30
Jan
2008

Benjamin Lebert - Der Vogel ist ein Rabe

Zugegeben, ich stand dem Buch etwas skeptisch gegenüber. Meine Erwartung waren gering, ich dachte, dass ein junger Schriftsteller, der mit seinem ersten Werk einen Riesenerfolg hatte, schwerlich ähnlich Gelungenes nachlegen kann. Aber da das Buch mit seinen 127 Seiten meinem Wunsch nach der Lektüre eines dünneren Buches entsprach, hab ich es mir vorgenommen.

Der Erzählrahmen ist schnell zusammengefasst. Ein Ich-Erzähler namens Paul, Anfang zwanzig, fährt im Nachtzug von seiner Heimatstadt München zurück in seine neue Wahlheimat Berlin. Dort teilt er sich ein Abteil mit dem etwa gleichaltrigen Henry. Henry ist wesentlich gesprächiger als Paul und breitet nach und nach seine Gedankenwelt vor Paul aus. Er erzählt von Freundschaft und Liebe, von einer komplizierten Dreiecksbeziehung. Das auch Paul etwas zu erzählen hätte, wird dem Leser erst am Ende des Romans deutlich.

Das Buch von dem inzwischen 25jährigen Benjamin Lebert ist tatsächlich eine sehr angenehm zu lesende Lektüre. Ein Erzählung, die in ausdrucksstarker Sprache vorgebracht wird. Die (wie oben beschrieben niedrigen) Erwartungen, die an den ersten Roman nach dem Bestsellererfolg "Crazy" geknüpft sind, hat er zumindest bei mir voll erfüllt bzw. deutlich übertroffen.

Ein gutes, kurzes Buch, das vier Sterne bekommt.
****

5
Jan
2008

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Januar 08

Bekommen

Drachenläufer
Khaled Hosseini
Bvt Berliner Taschenbuch Verlag

(01.01.08)

Gekauft

Die Entdeckung der Currywurst
Uwe Timm
dtv

(05.01.08 / Antiquariat)

Eine richtige Ehe
Doris Lessing
dtv / Klett-Cotta
(05.01.08 / Antiquariat)

Reise zwischen Nacht und Morgen
Rafik Schami
dtv / Reihe Hanser
(23.01.08 / Antiquariat)

Getauscht

Juliette
Marquis de Sade
Ullstein Taschenbuch
(02.01.08 / Tauschticket)

4
Jan
2008

litCologne 2008

Natürlich soll hier auch dieses Jahr wieder auf die LitCologne verwiesen werden. Spätestens nachdem ich mir Tickets für Heinz Strunk und für Herbert Feuerstein gesichert habe (die Wahl war schwer genug), kann ich jedem empfehlen sich sehr schnell auch das ein oder andere Ticket zu sichern. Viel Zeit scheint nicht mehr zu bleiben!

Das Programm gibt es hier:

LitCologne Programm

und weitere Infos unter

LitCologne 2008

Vielleicht sieht man sich ja ;-)

Zur Zeit lese ich

Irene-Dische-Grossmama-packt-aus

Ian McEwan - Am Strand

Nur kurze Zeit nach McEwans Abbitte habe ich mir sein letztes Werk Am Strand vorgenommen. Und auch mit diesem Buch hat er mich wieder überzeugen können.

Wieder baut er sehr geduldig aber keineswegs langatmig durch einen geschickten Perspektiv- und Zeitebenenwechsel die Geschichte auf. In diesem Fall handelt sie von einem jungen Paar an seinem Hochzeitstag und der bevorstehenden Hochzeitsnacht. Nachvollziehbar, aber mit der für McEwan angenehmen erzählerischen Distanz bringt er dem Leser die unterschiedlichen Erwartungen, Hoffnungen und Ängste vor dieser ersten gemeinsamen Nacht als Ehepaar näher. Durch eingeschobene Rückblicke mal aus der Sicht der jungen Frau, mal aus der Sicht des Mannes, schafft er es, ein komplexes Bild zu entwerfen und dem Leser die jeweiligen Gefühle der beiden Personen deutlich zu machen.
Und zum Ende gelingt es McEwan, so ging es mir zumindest, ein Gefühl von Melancholie hervorzurufen, angesichts der durch verschiedenste, oft nur kleine Umstände verpassten Chancen im Leben und der Lebenswege, die doch auch ganz anders hätten verlaufen können.
Ich denke, hier findet man eine Erkenntnis aus dem Buch Abbitte wieder.

Ein unbedingt lesenswertes, etwas mehr als 200 Seiten starkes Buch.

*****

26
Dez
2007

zuletzt und aktuell

Nach Der Stadt der Träumenden Bücher hab ich zudem Am Strand von Ian McEwan gelesen. In Kürze werd ich dazu auch was schreiben. Ich kann aber schon jetzt verraten, dass mein Urteil gut ausfallen wird. Wieder einmal fand ich McEwans Stil absolut überzeugend.

Und zur Zeit lese ich Der Vogel ist ein Rabe von Benjamin Lebert. Ein relativ kurzes Buch, aber bis zur Hälfte bin ich noch nicht in einen ordentlich Lesefluß gekommen. Aber das Buch hat noch knapp 60 Seiten um mich von seiner Qualität zu überzeugen.

Benjamin-Lebert-Der-Vogel-ist-ein-Rabe

Walter Moers - Die Stadt der Träumenden Bücher

Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz, Einwohner der Lindwurmfeste, bekommt von seinem im Sterben liegenden Dichtpaten Danzelot ein kurzes, jedoch von seiner Art und Weise makelloses Manuskript vermacht. Fast mit dem letzten Atemzug nimmt Danzelot ihm das Versprechen ab, der Herkunft des ihm unbekannten Verfassers dieses beeindruckenden Schriftstückes auf die Spur zu kommen. Und das bedeutet für Hildegunst von Mythenmetz sich auf einen beschwerlichen Weg in die Stadt der Träumenden Bücher, nach Buchhaim aufzumachen.
Wie beschwerlich wird ihm erst nach und nach klar und es beginnt für ihn ein atemberaubendes Abenteuer, in dem er Buchlinge kennenlernen, Spinxxxxe, Gefährliche Bücher und Buchjäger bekämpfen und vor dem schrecklichen Gesang der Harpyre flüchten wird.

Ich fand das Buch von Walter Moers absolut beeindruckend, angesichts der nicht zu übertreffenden Fähigkeit, dermaßen viele verschiedene Kreaturen und Orte rund um die Literatur kreieren zu können. Und mich wundert es wirklich, dass es bislang noch kein Computer- oder Video-Adventure-Game zu diesem Buch gibt. Manchmal kam wir Hildegunst von Mythenmetz wie der Indiana Jones der Lindwurmfeste vor.
Das Buch ist spannend, komisch und fantastisch zugleich.

Und daher verdient es die Höchstwertung
*****

Sicher nicht mein letztes Buch von Walter Moers.

22
Nov
2007

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im November 07

Gehört

Kitchen (Hörbuch)
Banana Yoshimoto
Brigitte Edition
Sprecherin: Jessica Schwarz
(16.11.07)

Gekauft

Justine
Marquis de Sade
Kindler

(17.11.07 / ebay)

Hörbuch: Banana Yoshimoto - Kitchen

Und noch ein Hörbuch, dass ich zuletzt in erster Linie bei Autofahrten gehört habe.
Kitchen von Banana Yoshimoto gelesen von Jessica Schwarz (Brigitte Edition).

Die junge Mikage ist Vollwaise und nachdem auch ihre Großmutter verstorben ist, sieht sie sich plötzlich alleine einer dunklen, einsamen und doch faszinierenden Welt gegenüber. In den Tagen nach dem Tod der Großmutter steht plötzlich ein eher flüchtiger Bekanter vor ihrer Tür und macht ihr das Angebot doch die nächste Zeit einfach bei ihm und seiner Mutter zu wohnen, da sie doch nun ganz alleine sei. Mikage erstaunt dieses Angebot, doch nach einem Besuch bei dem Jungen und dem Kennenlernen seiner Mutter, die, wie Mikage später erfährt, bis zum Tod der eigentlichen Mutter der Vater des Jungen war, beschließt Mikage dieses irgendwie unwirklich wirkende Angebot der beiden anzunehmen.

Es entwickelt sich eine, wie ich es empfand, sehr ruhig dahinfließende Geschichte, über den Tod, das Leben, die Familie, über Essen und Küchen. Manchmal gibt es irreale, etwas verstörende Momente und es wechseln sich Passagen ab, die bei mir mal Melancholie, mal Euphorie hervorriefen. Insgesamt hat mir der Text wirklich gut gefallen und man ertappt sich öfter dabei, dass man angeregt vom Hörbuch seinen Gedanken nachhängt und hier und da nochmal auf der CD zurückgehen muss, um wieder der Story folgen zu können. In diesem Fall spricht das für das Hörbuch. Es passt sehr gut in die Herbstzeit, wie wir sie gerade haben und hat bei mir dazu beigetragen, erneut das gemütliche Trinken von Tee in dieser Jahreszeit zu zelebrieren. (sicher nicht nach guter japanischer Tradition, aber mit ähnlicher Regelmässigkeit, wie es in Kitchen geschieht!).

Jessica Schwarz hat mir als Sprecherin sehr gut gefallen. Sie hat mit Ihrer Art des Vorlesens, die Stimmungen, die das Buch erzeugt, hervorragend transportiert und unterstützt. Ihre Stimme passt gut zu dem Bild von Mikage, das beim Hören in meinem Kopf entstanden ist. Ein Mädchen, das manchmal so abwesend, distanziert wirkt und doch im nächsten Moment wieder Gedanken formuliert, die herrlich tiefgehend und reflektiert sind.

Insgesamt ein absolut empfehlenswertes Hörbuch, daher 4 Sterne.
****

30
Okt
2007

Hörbuch: Dan Brown - Sakrileg

Tja, nachdem Illuminati als Buch nun schon längere Zeit ungelesen in meinem Bücherregal verweilt, hatte ich mich entschlossen, Dan Brown erstmal per Hörbuch Sakrileg kennenzulernen. Leider fand ich schon sehr bald die Vortragsweise von Wolfgang Pampel alles andere als berauschend. Er versteht es leider nicht, den verschiedenen Personen mit dem Spiel der Stimme einen gewissen Wiedererkennungwert zu verleihen. So fand ich es häufig recht mühsam, zu verfolgen, wer nun gerade zitiert wird. Die anfängliche gewöhnungsbedürftige musikalische Untermalung fand dagegen im Verlauf des weiteren Hörens recht gelungen. Sparsam eingesetzt wurde damit der Spannungsbogen der Story ganz geschickt untermalt.

Zum Inhalt:
Der Direktor des Louvres wird ermordet. Er schafft es jedoch vor dem Eintritt seines Todes eine Botschaft zu hinterlassen. Da er am Abend seines Todes eine Verabredung mit Robert Langdon hatte, wird dieser von der Polizei umgehend zum Tatort eskortiert. Ohne das er sich dessen bewusst ist, gilt er sofort als einer der Hauptverdächtigen. Ihm kommt eine Mitarbeiterin aus der Dechiffrierabteilung, Sophie Neveu, zur Hilfe. Später stellt sich heraus, dass der Ermordete ihr Großvater war, der ihr in der Stunde seines Todes wichtige Informationen über ihre Familie und über einen Geheimbund hinterlässt, der, wie sich bald herausstellt, von Opus Dei ausgelöscht werden sollte. Langdon und Sophie flüchten und beginnen sich gemeinsam auf die Suche nach den Lösungen der ihnen aufgegebenen Rätsel.

Die Story erschien mir manches Mal doch ein wenig zu konstruiert, auch wenn sie mich letzlich doch irgendwie fesseln konnte.
Allerdings trägt das Hörbuch nicht dazu bei, dass ich nun besonders zügig zu Illuminati in meinem Bücherregal greifen werde.

Insgesamt ein recht spannendes Hörspiel mit Abstrichen für Sprecher und Konstruktion.
***

22
Okt
2007

Zur Zeit lese ich

Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

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