18
Dez
2006

Der Heinzer Strunk - ein ganz ein Großer

Sven Regener (Herr Lehmann, Neue Vahr Süd) wird auf der Titelseite mit der Aussage zitiert:"Es tut einem ja jeder leid, der das Buch von Heinz Strunk nicht gelesen hat." Und Herr Regener schreibt nicht nur gute Bücher, er sagt auch manchen wahren Satz.
Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk ist wahrlich großartig.
Ich zähle mich eher zu den introvertierten Lesern, aber bei diesem Buch musste auch ich einige Male laut vor mich hin lachen.
Heinz Strunk erzählt vom Aufwachsen in einem "Zwergenhaus" in Harburg, wie er mit einer an Psychosen leidenden Mutter groß wird und als Saxophonist, Klarinist und Flötist im jungen Erwachsenenalter bei der Showband "Tiffanys" (und bitte nicht "den Tiffanys"!) einsteigt. Mit dieser Coverband, die auf Schützenfesten und Hochzeiten aufspielt, hat der Heinzer fast richtig Erfolg. Und in grandioser, sarkastischer und selbstmitleidloser Art und Weise erzählt er von einem Leben, in dem die Mucken (die Engagements der Band) einen Schwerpunkt ausmachen. Aber auch seine Vogelmutter, die Spielhalle Glawes und seine Lehrtätigkeiten an einer Musikschule werden erwähnt. Heinzer hat als Jugendlicher ein großes Akneproblem und nicht nur deshalb auch ein Frauenproblem. Mit dem Bewusstsein, dass es für ihn und seine Mitstreiter (die alle keine womanizer sind) schwer sein wird eine Frau zu finden, sind Frauen für ihn bald nur noch die Biester.
Höhepunkte des Buches sind Darstellungen von Schützenbrüdern, die sich ganz tolle Lieder wünschen oder das Vehalten der anderen Klientel der Band sowie die Auftritte bedauernswerter Stargäste.
Alles in allem ein sehr amüsantes Buch, dass nach Sternenbewertung die Bestnote verdient!
*****

Lohnenswert auch ein Besuch der Website von Heinz Strunk: www.heinzstrunk.de

4
Dez
2006

**** Festung der Einsamkeit

Endlich hab ich Die Festung der Einsamkeit von Jonathan Lethem beendet. Endlich, nicht weil es ein quälendes Zu-Ende-Lesen war, sondern endlich, weil ich aufgrund sehr knapper zeitlicher Ressourcen immer nur wenige Seiten vorangekommen bin.

Der Roman handelt von Dylan Ebdus, einem weißen Jungen, der mit seinen Eltern, der Vater ein verschrobener Künstler, die Mutter eine flippige Hippiefrau, ins vorwiegend von Schwarzen bewohnte Brooklyn zieht. Hier muss er als sogenannter „Whiteboy“ häufig den Part des Aussenseiters übernehmen, der bei jeder Gelegenheit mit immer wiederkehrenden Ritualen von den schwarzen Jugendlichen zur „Taschenleerung“ gezwungen wird. Immer geschieht das auf eine recht subtile Art und Weise, die eine latente Gewalt andeutet, aber stets unter dem Deckmantel der wohlwollenden Gönnerhaftigkeit durchgespielt wird.
Trotz aller Schwierigkeiten findet er in seinem etwas nach ihm ins Viertel zugezogenen Nachbarsjungen, den schwarzen Mingus einen Freund, mit dem er zunächst die Vorliebe für Comic-Helden und später die Leidenschaft zur zu dieser Zeit aufkommenden Graffitikunst gemeinsam hat. Das ein oder andere Mal gelingt es Mingus, Dylan vor einer weiteren Erniedrigung zu bewahren, indem er sich vor seinen weißen Freund stellt, ohne dabei an Ansehen bei seinen schwarzen Freunden zu verlieren.

Doch die Lebenswege, angefangen von der Schulkarriere bis hin zur Drogen- und Gefängniskarriere, letzteres bleibt Mingus vorbehalten, nehmen einen unterschiedlichen Verlauf. Dylan schafft den Spagat zwischen einer gewissen Akzeptanz im Viertel und einer verhältnismässig erfolgreichen Schullaufbahn. Seine Mutter hat dem Viertel, sowie Mann und Sohn schon früh den Rücken gekehrt und Dylan schlägt sich alleine durch das Leben im Viertel und schafft es sogar zu einem wenn auch später scheiternden Besuch der elitären Camden Universität.
Mingus dagegen verfällt ähnlich wie sein als Soul- und Funkstar berühmt gewordener Vater immer mehr den Drogen und rutscht in die Spirale aus Abhängigkeit und Gewalt. Er durchläuft eine längere Gefängnislaufbahn, die nur von kurzen Intervallen in Freiheit unterbrochen wird, welche wiederum von Drogen und Kriminalität geprägt werden.

Ein mysteriöser Ring stellt bald, abgesehen von gemeinsamen Kindheitserinnerungen, die letzte dünne Verbindung zwischen den beiden Freunden dar.

Das Buch hat mich auch in Phasen mit nur kurzen Leseintervallen immer wieder schnell zu sich zurückgeholt und mich gefesselt. Es liest sich sehr gut und bleibt nicht ohne gedankliche Nachwirkung. Allerdings erscheint es an wenigen Stellen etwas künstlich gestreckt, was der Autor eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte.

Es ist in zwei Teile unterteilt. Der erste große Abschnitt wird aus Sicht eines Erzählers wiedergegeben, der zweite Teil wird aus der Ich-Perspektive von Dylan Ebdus im Erwachsenenalter erzählt.

Gesamturteil:
ein tolles Buch, dass es verdient hat, sehr viel mehr Zeit dafür aufzubringen, um es zügig und konstant zu lesen. EMPFEHLENSWERT!

15
Nov
2006

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im November 06

Bekommen (getauscht, geschenkt, gefunden etc.)

Traumnovelle
Arthur Schnitzler
Süddeutsche Zeitung / Bibliothek

(tauschticket)

Jenseits von Eden
John Steinbeck
dtv

(geschenkt bekommen - ja es gab einen Anlaß!)

Schande
J.M. Coetzee
Fischer Verlag

(tauschticket)

Gelesen

Die Festung der Einsamkeit
Jonathan Lethem
Goldman Manhattan

(noch nicht ausgelesen, aber jetzt ist endlich wieder Zeit zum Weiterlesen!)

6
Okt
2006

"Unterwegs" bezwungen

Es war ein harter Kampf. Über zwei Monate quälte ich mich durch 284 engbedruckte Seiten. Es gab einige Momente, wo ich sehr nahe daran war, das Buch einfach wegzulegen, um ein anderes anzufangen. Jack Kerouacs Unterwegs ist für mich wirklich kein herausragendes Buch. Sollte es tatsächlich noch jemand da draußen als Kultbuch bezeichnen wollen, wäre ich sehr neugierig auf seine Begründung.
Ich meinen Augen geht es in dem Buch nur um ein sinnloses Durch-die-Gegend-Reisen und dabei ist lediglich der Weg das Ziel. Denn ein tatsächliches Ziel, dass am Ende der diversen Reisen, die der Erzähler schildert, ist mir nur im vierten Chorus (Abschnitt) wirklich deutlich geworden. Sowieso gefiel mir das Buch ansatzweise erst ab diesem besagten vierten Abschnitt, in dem sich der Erzähler einmal mehr mit seinen durchgedrehten Freund Dean Moriarty und einem weiteren Freund auf die Reise macht, dieses mal über die Grenzen Amerikas hinaus nach Mexico City. Hier lassen sich einige Passagen finden, in denen Kerouac in verschiedener Hinsicht Sinnfragen stellt.
Störend hinzu kam leider, dass es sich zumindest in meiner Ausgabe des Titels von 1988 um eine schlechte Übersetzung handelt. Immer wieder stolpert man darin über Formulierungen, denen man allzu deutlich anmerkt, dass sie ohne viel Aufwand plump eins zu eins aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurden. (z.B. Wir drehten im Fernsehen ein Ballspiel an...)
Aber am Ende hab ich das Buch besiegt und bin inzwischen sehr vielversprechender in die Lektüre von Die Festung der Einsamkeit von Jonathan Lethem eingestiegen.
Es bleibt abzuwarten, ob ich hiermit schneller fertig werde.

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Oktober 06

Gekauft

Sputnick Sweetheart
Haruki Murakami
Btb

(11.10.06 / antiquariat)

Der Schatten des Windes
Carlos Ruiz Zafón
Suhrkamp

(06.10.06)

Fleisch ist mein Gemüse
Heinz Strunk
rororo

(06.10.06)

Schachmatt
Stephen L. Carter
List

(06.10.06)

Die Stadt der träumenden Bücher
Walter Moers
Piper

(06.10.06 / zum Verschenken)

Bekommen (getauscht, geschenkt, gefunden etc.)

Illuminati
Dan Brown
Bastei Lübbe

(tauschticket)

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im August 06

Gekauft

Weißes Rauschen
Don DeLillo
Goldmann
(irgendwann im August)

Der Autogrammhändler
Zadie Smith
Knaur
(irgendwann im August)

Gelesen

Unterwegs
Jack Kerouac
Rowohlt TB

(immer noch nicht ausgelesen)

1
Aug
2006

Jack Kerouac

Da ich zur Zeit Unterwegs von Jack Kerouac lese, zugegebenermaßen noch nicht wirklich in das Buch reingefunden habe, hab ich mal im worldwideweb nach Infos über den Autor gesucht. Und natürlich findet man bei wikipedia direkt einige informative Details über sein Leben und sein Schaffen. Lest selbst:
wikipedia über Jack Kerouac

Ein Tribute an Jack Kerouac findet man hier:
Tribute to...

Naja und wenn wir schon beim verlinken sind, dann schaut euch auch gleich diese Sites noch an:
original sounds von J. Kerouac
lonesome-traveller.de
literaturlandkarte.de
Americanlegends.com

Viel Spaß!

22
Jul
2006

Die Musik des Zufalls verklingt verstörend

Die-Musik-des-ZufallsTja, da hat es wohl mal fast einen Monat gedauert, bis ich Paul Austers Die Musik des Zufalls ausgelsen habe. Es lag aber nicht am Buch, sondern einfach am Zeitmangel. Das Buch hat mir gut gefallen, wenn es auch phasenweise und gerade nach der letzten Seite etwas verstörend auf einen wirkt.
Der Protagonist Jim Nashe steigt nach einer Erbschaft und einer gescheiterten Beziehung aus und verprasst sein Erbe zunächst damit, das er in einem Saab quer durch Amerika fährt. Ohne Ziel und ohne Grund. Nicht als Tourist, sondern eher einfach nur um unterwegs zu sein. Sein Leben findet einen Wendepunkt mit dem Zusammentreffen von Jack Pozzi, einen Spieler, den Jack buchstäblich von der Strasse aufliest. Das Ende seines Guthabens und damit das Ende seines Unterwegsseins in Sicht, lässt er sich auf ein Pokerspiel um Alles oder Nichts mit Pozzi als seinen Spielpartner ein. Dieses endet sogar mit weniger als Nichts, so dass er und Pozzi sich auf eine irrwitzige Vereinbarung mit ihren reichen Pokergegnern einlassen, um ihre Schulden abzuarbeiten. Was Nashe in den nächsten Monaten durchmacht, fühlt und wie er sich auf weitere irrsinnige Entwicklungen einlässt, machte mich während des Lesens häufig stutzig. Manche Entscheidungen konnte ich nur schwer nachvollziehen. Das abrupte kaum absehbare Ende lässt einen für einige Minuten noch nachdenklich zurück.

Jetzt liegt Unterwegs von Jack Kerouac auf meinem Nachttisch.

10
Jul
2006

Verschenkt und behalten

Gestern hab ich meinen besten Freund Christian (s. auch Beitrag zu Mein Leben als Leser) nachträglich ein Buch zum Geburtstag geschenkt. Mir war bewußt, dass es ein riskantes Vorhaben ist, ihm ein Buch zu schenken. Und leider ist das Ganze prompt schiefgegangen, denn leider hat er Matt Ruff´s Ich und die anderen bereits im Regal stehen und hat es schon im vergangenen Jahr gelesen. Zumindest konnte er mich darin bestätigen, dass es eine gute Wahl war. Ich kenne von Matt Ruff bisher nur G.A.S. und Fool on the Hill, die mir beide ziemlich gut gefallen haben. Daher war ich mir sicher, mit seinem neuen Roman nicht viel falsch machen zu können. Grundsätzlich war dieser Gedanke dann wohl auch ganz richtig, wenn der Beschenkte das Buch nicht schon längst gehabt hätte.
Einen Vorteil hat das Ganze, ich bin auf diesem Weg zu einem neuen Buch gekommen. Was er nun als "Ersatzgeschenk" bekommt, kann ich hier und jetzt natürlich nicht verraten. Ich hab aber schon konkrete Vorstellungen und gute Hoffnungen, dass er das nächste Geschenk noch nicht besitzt oder kennt.
Vielleicht berichte ich später davon.

PS: Die WM ist vorbei. Und erstmal weiß man kaum, wie man jetzt die Zeit so ganz ohne täglichen Fußball aushalten soll. Ich werd versuchen es mit Lesen zu kompensieren. Paul Austers Buch, das ich aktuell auf dem Nachttisch liegen habe, macht es einem leicht. Leider werd ich mich aber zudem die nächsten Wochen verstärkt mit betriebswirtschaftlichen Fach- und Lehrbüchern rumschlagen müssen, um im Herbst eine Prüfung zu schaffen. Ich hoffe, der Blog wird darunter nicht allzu sehr leiden müssen.

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Juli 06

Gekauft

Ich und die anderen
Matt Ruff
dtv

(09.07.)

Bekommen (getauscht, geschenkt, gefunden etc.)

Unterwegs
Jack Kerouac
Rowohlt TB

(tauschticket)

Der Chronist der Winde
Henning Mankell
dtv

(tauschticket)

Geliehen

Meine Saison mit dem FC
Manuel Andrack
Kiepenheuer & Witsch


Gelesen

Die Musik des Zufalls
Paul Auster
Rowohlt (Hardcover)

25
Jun
2006

Nick Hornby macht Spaß

Nick-Hornby-Mein-Leben-als-Leser
Wieder ein Wochenende und wieder ein Buch beendet. Jetzt hab ich auch Nick Hornbys Mein Leben als Leser ausgelesen und es ist mir absolut nicht schwer gefallen die knapp 150 Seiten zu bewältigen. Was Nick Hornby schreibt und vor allem wie er es schreibt, macht einfach Spaß zu lesen. Außerdem macht das Buch neugierig auf weitere Leseerfahrungen. Zum Beispiel schwärmt er von Charles Dickens David Copperfield. Das Buch hatte ich mir schon vor einiger Zeit in einem Antiquariat (eigentlich ist es ein Second-Hand Buchladen, aber Antiquariat klingt doch wirklich sehr viel besser, oder nicht!) gekauft, bislang hab ich mich aber noch nicht daran getraut, weil ich unter anderem nach der Lektüre von Jonathan Strange & Mr. Norrell doch noch etwas vor besonders dicken Wälzern zurückschrecke. Aber Hornby hat mich dazu gebracht, zumindest den festen Vorsatz zu fassen, das Buch von Dickens sehr bald zu lesen.
Weiter weckt Hornby mit seinem Buch die Lust auf Biographien im Allgemeinen und auf Bücher von Patrick Hamilton im Speziellen.
Und nicht zuletzt bestärkt mich das Buch darin, auch in Zukunft mehr Bücher zu kaufen, als ich lesen kann. Es ist einfach ein beruhigendes Gefühl, jederzeit zu seinem Bücherregal gehen zu können und sich ein unbekanntes Buch herausnehmen zu können.

Heute habe ich nun mit Paul Auster Die Musik des Zufalls begonnen, das auch schon einige Zeit im Regal auf mich gewartet hat.
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