12
Mrz
2007

Kazuo Ishiguro - Alles, was wir geben mussten

Gute Idee, aber leider nicht so gut konstruiert!

Leider viel zu viel Zeit hat mich die Lektüre von Kazuo Ishiguros Roman Alles, was wir geben mussten gekostet. Allerdings musste ich weiterbildungsbedingt das "Genuss-Lesen" zu Gunsten des "Pflicht-Lesens" zurückfahren. Aber es hat mich auch nicht all zu stark zu Ishiguro zurückgezogen.

Der Roman schildert das Leben von Jungen und Mädchen, die im englischen Internat Hailsham aufwachsen. Erst nach und nach wird deutlich, dass der Grund für ihren Aufenthalt in diesem Internat kein gewöhnlicher ist, wie die bloße Erfüllung eines Bildungsauftrages. Es steht den Kindern und Jugendlichen eine vorbestimmte Zukunft bevor, sie werden später eine besondere Funktion in der Gesellschaft zu erfüllen haben.
Die Auflösung dieses Umstandes bildet einen einzig großen, meines Erachtens aber viel zu flachen Spannungsbogen, der die gesamten 349 Seiten umspannt.

Die Idee hinter dem Roman ist grundsätzlich eine gute, da sie trotz Fiktion sicher nicht abwegig ist und alleine diese dahinter liegende Vorstellung macht den Leser schon nachdenklich. Trotzdem fehlten mir die zwischenzeitlichen Höhen, die es schaffen, den Leser zu fesseln und gierig auf das Ende des Buches zu machen. Bei mir blieb dieser Effekt leider weitgehend aus.
Das Ganze wird von der Ich-Erzählerin Kath erzählt, was mich zudem, angesichts der Tatsache, dass es sich bei Ishiguro um einen männlichen Autor handelt, etwas irritierte.

Aber nicht diese Tatsache, sondern die leider etwas schwache Ausführung einer tollen Romanidee und der ausbaufähige Spannungsaufbau lassen mein Gesamturteil mit drei Sternen nur mittelmässig ausfallen.

***

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im März 07

Gekauft

Töchter des Himmels
Amy Tan
Goldmann

(10.03.07)

Neue Vahr Süd
Sven Regener
Goldmann

(10.03.07)

Cookys
Werner Köhler
Kiepenheuer & Witsch

(10.03.07 / antiquariat)

Ein Mann von vierzig Jahren
Matthias Politycki
Rowohlt Taschenbuch Verlag

(10.03.07 / antiquariat)

Bekommen (getauscht, geschenkt, gefunden etc.)

Ebbe und Flut
Irina Korschunow
btb
(tauschticket)

Traum aus Stein und Federn
Louis de Bernières
S.Fischer Verlag (HC)
(tauschticket)

14
Feb
2007

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Februar 07

Bekommen (getauscht, geschenkt, gefunden etc.)

Was vom Tage übrigblieb
Kazuo Ishiguro
Btb
(tauschticket)

29
Jan
2007

Philip Roth im Buchjournal

Wo ich doch gerade mein erstes Buch von Philip Roth beendet habe, viel mir jetzt erst der Artikel über seinen Jedermann im aktuellen Buchjournal in die Finger.
Wieder scheint es um das Alter zu gehen, das Thema das auch in Mein Leben als Sohn schon von großer Bedeutung war.
Hier geht es zum kleinen Artikel im Buchjournal.

28
Jan
2007

Arthur Schnitzler - Traumnovelle

Ein Buch das auch ich als vermeintlicher Langsamleser gut in knapp zwei Tagen bewältigen kann. Und das nicht nur wegen der nur 93 Seiten, die das Buch hat, sondern vielmehr weil es ein wirklich gutes, von den ersten Seiten an fesselndes Buch ist.
Arthur Schnitzler erzählt in der Novelle vom Ehepaar Fridolin und Albertine, die eine Tochter zusammen haben und eine scheinbar harmonische Ehe führen. Ein offenes Gespräch zwischen den Beiden bringt jedoch zu Tage, dass beide durchaus uneheliche Wünsche, Phantasien und Träume haben. Albertines Unterbewusstsein drückt sich in nächtlichen Träumen voller Leidenschaft (die sich weniger auf ihren Mann bezieht) aus. Ein ihm gegenüber gestandener Traum führt wiederum bei Fridolin zu Gefühlen, als hätte Albertine ihn im wirklichen Leben betrogen.
In der Nacht ans Sterbebett eines Patienten gerufen, beginnt für ihn ein Ausflug in die Grenzgebiete seiner eigenen bislang scheinbar unterdrückten Begierden, die sich ebenfalls nicht gänzlich auf seine Ehefrau beschränken. Er gerät in Situationen, die sein Leben und seine Treue zu Albertine ernsthaft gefährden.

Traumnovelle diente als Vorlage für Stanley Kubricks Film "Eyes Wide Shut" mit Nicole Kidman und Tom Cruise, den ich selber nur ausschnittsweise kenne. Das Buch jedenfalls wird meiner Meinung nach zurecht als ein Klassiker bezeichnet, der tiefgründig die Tücken des menschlichen Unterbewußtseins ausleuchtet.

25
Jan
2007

Philip Roth - Mein Leben als Sohn

Das ging für meine Verhältnisse doch recht flott. Aber die 210 Seiten von Philip Roths Mein Leben als Sohn haben es mir auch nicht schwer gemacht.

Das Buch handelt von Philip Roths Vater, Herman Roth, bei dem im Alter von sechsundachtzig Jahren ein Gehirntumor festgestellt wird. Roth erzählt vom Verhältnis zu seinem Vater, das sich nach der niederschmetternden Diagnose verändert und intensiviert. Er macht deutlich, welche schweren Entscheidungen er plötzlich als Sohn zu treffen hat und wie eng ein Vater-Sohn-Verhältnis im Angesicht des immer weniger aufschiebbaren Todes noch werden kann. Für seinen Vater wird er zum Geheimnisträger, für die Ärzte zum Mitwisser, der sehr genau abwägen muss, welche Wahrheiten er seinem Vater zumuten kann. Seine eigene plötzliche By-Pass-Operation versucht er zur Schonung seines kranken Vaters zu vertuschen.
Das Buch führte bei mir, und ich denke so wird es einigen anderen Lesern auch gegangen sein, dazu, mein eigenes Verhältnis zu meinem Vater (aber auch meiner Mutter) gründlich zu überdenken. Wie würde es sich wohl verändern, wenn eine ähnliche Diagnose mit denkbar hoffnungsloser Aussicht bei einem der beiden gestellt werden würde (was hoffentlich nie der Fall sein wird).

Roth schildert den Verlauf der Krankheit und die unterschiedlichen Versuche aller Betroffenen damit umzugehen sehr deutlich, wenn auch nicht übertrieben sentimental.

Das Buch hat den Untertitel "Eine wahre Geschichte" und auch wenn ich in einem neu entdeckten Forum unter Die Leselust Zweifel an dem autobiographischen Anteil des Buches gefunden habe, möchte ich davon ausgehen, dass es eine vollständig autobiographische Arbeit von Philip Roth ist.

Es war das erste Buch von ihm, dass ich gelesen habe, aber es hat neugierig auf weitere gemacht. (Vorschläge nehme ich gerne an!)

Jetzt hat ein weiteres relativ dünnes Buch den Weg auf meinen Nachtisch gefunden:
Traumnovelle von Arthur Schnitzler (mancher könnte den Film kennen, dem das Buch als Grundlage diente - "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick).

22
Jan
2007

litCologne 2007 - Das siebte Mal

Nach dem ich mir diverse Tickets gesichert habe, kann ich hier energisch auf die litCologne im März in (na- Überraschung) Köln hinweisen. Mit einem wie ich finde vielversprechenden Programm geht die Lesungs-Veranstaltungsreihe in die siebte Runde.
Und auch für die kleinen Leser gibt es ein Programm, dass alle nutzen sollten, die Kindern und Jugendlichen den Spaß am Lesen näherbringen möchten.

Meine Empfehlung:
Montag, 12.03.07

Despereaux, der furchtlose Mäuserich
Kölner Künstler Theater

Ich hab es schon vor längerem mit meinem Sohn zusammen gelesen und er fand es genauso wie ich ziemlich Klasse. Mit der Veranstaltung werden wir dann unsere Erinnerung an das Buch auffrischen.

Mehr zur litCologne unter:
www.litcologne.de

9
Jan
2007

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Januar 07

Gekauft

Mein Leben als Sohn
Philip Roth
dtv
(04.01.07 /antiquariat)

Literatur veranstalten:
Lesung, Vortrag, Event.
Ein Ratgeber zu Konzept, Organisation und Durchführung

Friederike Moldenhauer, Joachim Bitter
Meidenbauer
(05.01.07 / amazon.de)

Das sterbende Tier
Philip Roth
Rowohlt Taschenbuch Verlag
(27.01.07)

Dorfpunks
Rocko Schamoni
Rowohlt Taschenbuch Verlag
(27.01.07)

Gelesen

Mein Leben als Sohn
Philip Roth
dtv

Tom Sawyer
Mark Twain
Schneider-Buch

A Tangled Web
Short Stories
Oxford University Press
(immer mal wieder eine story zwischendurch - nicht nur zur Prüfungsvorbereitung)

gekauft, bekommen, geliehen, gelesen im Dezember 06

Bekommen (getauscht, geschenkt, gefunden etc)

Die Stadt der träumenden Bücher
Walter Moers
Piper
(25.12.06 / geschenkt bekommen)

Gelesen

Vox
Nicholson baker
rororo

Fleisch ist mein Gemüse
Heinz Strunk
Rowohlt

Die Festung der Einsamkeit
Jonathan Lethem
Goldmann

Tom Sawyer - Jugendbuchklassiker!

Ich besitze das Buch schon sehr lange, kann mich auch nicht daran erinnern, woher ich es hab bzw. wann ich es bekommen habe. Genauso wenig kann ich mich daran erinnern, es schon mal gelesen zu haben. Trotzdem kamen mir beim Lesen einige Passagen bekannt vor, aber dass kann auch gut daran liegen, dass man irgendwann in seinem Leben sicherlich irgendwo schon mal mit Tom Sawyer in Berührung gekommen ist (bei mir war es vielleicht das Fernsehen!).
Und ich muss sagen, auch mit 32 Jahren macht es noch ziemlichen Spaß Tom Sawyer von Mark Twain zu lesen. Gerade den letzten Teil fand ich wirklich packend und amüsant ist das Buch sowieso durchweg.
Man kann bestens nach empfinden, wie sich Tom zum Beispiel im Ärger über eine ungerechte Bestrafung seiner Tante Polly mit zwei Leidensgenossen (einer ist Huckleberry Finn!) zum Piratenleben entschließt. Allerdings verläßt die drei Jungs bald der Mut wieder und das Heimweh siegt. Für ihre Rückkehr wählen sie keinen aufsehenerregenderen Zeitpunkt, als die eigene Totenfeier. Der Neid der anderen Kinder und die Aufmerksamkeit der Erwachsenen, die natürlich in ihrer Trauer längst allen Ärger vergessen haben und stattdessen von einem schlechten Gewissen geplagt werden, ist ihnen sicher.
Trotz gelegentlicher körperlicher Züchtigung (damals noch vollkommen selbstverständlich) scheint Tom Sawyer mit all seinen Abenteuern und Unternehmungen ein wirklich schönes Leben zu haben.

Für Kinder ab 10 und auch für Erwachsene bestens geeignet. Aber das wird für viele sicher keine neue Erkenntnis sein.

31
Dez
2006

VOX von Nicholson Baker - eine Telefonsexnovelle

Tja, wieso lese ich ein Buch über Telefonsex? Warum besitze ich es überhaupt? Ich meine mich erinnern zu können, dass ich es schon vor einigen Monaten mal bei ebay ersteigert habe. (Damals hab ich mir noch viele gebrauchte Bücher über ebay besorgt, inzwischen bevorzuge ich andere Quellen wie tauschticket.de oder den Gebrauchtbuchladen meines Vertrauens). Damals machte es mich einfach neugierig, auch wenn ich mit Telefonsex selber wirklich nicht viel anfangen kann. Und der Grund, warum ich es jetzt gelesen hab, ist in erster Linie, dass ich mich noch nicht wieder an ein dickes Buch rangetraut habe.
Und Vox von Nicholson Baker ist tatsächlich ein sehr gut zu lesendes, weil flüssig geschriebenes Buch. Es handelt von einem einzigen, sich über die gesamten 190 Seiten streckendes Telefongespräch. Abby und Jim lernen sich zufällig in einem Telefonsexforum kennen und ziehen sich zu einem privateren Zweiergespräch zurück. Beide berichten über intime Gedanken, Träume und Wünsche und erzählen sich von Vorstellungen, die sie beim Masturbieren haben. Zudem schildern sie sich zwischendurch gegenseitig, was sie in diesem Moment am anderen Ende der Leitung anstellen. Das Telefonat beschreibt einen angehmen, sich stetig steigernden Spannungsbogen, der durch die fulminante und trotzdem nicht ins platt Lüsternde abdriftende Sprache von Nicholson Baker geschickt aufgebaut wird.
Gesamturteil
Ein auf angenehme Weise anregendes kleines Buch, das man nicht mit der Erwartung lesen sollte, alle zehn Seiten mit plumper Pornographie versorgt zu werden.
Empfehlenswert!
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